Eine kleine Bierkrugkunde

Sieht man einen Bierkrug, denkt man automatisch gleich an Bayern, Biergarten und Oktoberfest. Der Bierkrug ist zu dem Symbol für die bayrische Gemütlichkeit geworden.

Aber was unterscheidet einen Bierkrug von einem Bierglas? Was ist ein Humpen, was ein Isarseidl und ist ein Steinkrug aus Stein? Um im Biergarten, beim nächsten Volksfest oder Oktoberfest nicht vollkommen blank dazustehen helfen wir ihnen mit ein bisschen bayrischem Grundwissen - und Angeberwissen ;) - aus.

„Ein Humpen, auch Bierkrug, Steinkrug, Bierseidel, Schnellen, Bierbembel, Henkel (Berlin), Halber (Norddeutschland), Walzenkrug (historische Keramik, vor allem Fayence*) ist ein Trinkgefäß, das seinen Ursprung im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachraum hat. Sein wichtigstes Formmerkmal ist der zylindrische oder konische, allenfalls leicht gebauchte Körper, zumeist mit Henkel, häufig mit Scharnierdeckel, Daumenruhe (Daumenrast, Deckelheber) und abgesetztem Fußring. Der Humpen wurde und wird überwiegend aus Glas oder Steinzeug, aber auch aus Silber, Zinn, Steingut, Fayence*, Porzellan und anderen Materialien hergestellt. Humpen sind oft mit einem Relief versehen oder mit Aufschriften, zeichenhaften oder szenischen Darstellungen bedruckt oder bemalt. Aus ihnen wird vorzugsweise Bier getrunken. Es gibt Humpen, die bis zu 5 Liter Inhalt fassen.

Der Humpen (engl. stein) gilt in Übersee als „typisch deutscher“ Repräsentations- und Gebrauchsgegenstand.“ (aus: Wikipedia)

Kaum ein Trinkgefäss ist so stark an seinen Inhalt gebunden, wie das ‚Bierglas‘. Egal ob Glas, Steingut*, oder Irdenware ein Bierglas wird fast ausnahmslos verwendet, um bestimmte Biersorten auszuschenken. Je nach Biertyp gibt es dazu die passsende Form.

So trinken die Besucher auf dem Oktoberfest in München ihr Bier hauptsächlich aus dem sogenannten Masskrug. Dies ist ein zylindrisch geformtes Bierglas mit einem Füllvolumen von knapp über einem Liter (auch Bierseidel genannt).

Das Weißbier (auch Weizen) wird aus den speziell geformten Weißbier- oder Weizenglas getrunken, das - je nach Ausführung - meist einen halben Liter Bier fasst.

Die Kleinsten unter den regulären Biergläsern sind die Pilsgläser. Auch gerne Pilstulpen genannt, haben sie ein Fassungsvermögen von etwa 0,3 Liter des eher herben Gerstensaftes.

(Strenggenommen sind die kleinsten die Kölschgläser, mit 0,2 l, die allerdings, wie der Name schon sagt, ihren Hauptverbreitungsschwerpunkt rund um Köln. Und für Klugscheisser: nun kann man noch diskutieren ob das Pils – aus Pilsen, Böhmen – denn autochthon** bayrisch ist. ;))

Die großen Brauereien drucken auf ihre Biergläser meist Ihr Logo oder Ihren Slogan, so dass man bereits am Bierglas den Inhalt erkennen kann.

Der Bierkrug - so alt wie das Bier selbst! …oder sogar älter?

Der Steinkrug oder „Keferloher“ genannt ist der klassische Bierkrug, tonnenförmig und nicht bauchig. Der Krug wird in zwei Varianten angeboten, zum einen in der häufigeren deckellosen Variante, zum anderen in der mit einem (meist flachen) Zinndeckel. In Deutschland hat der Bierkrug in der heutigen Form seinen Ursprung im 17. Jahrhundert in Creussen in der Nähe von Bayreuth. Der Älteste Bierkrug stammt aber aus der Zeit um 800 v. Chr. Aus Kulmbach in Oberfranken.

Seit dem frühen Mittelalter war der sogenannte Sturzbecher weit verbreitet, ein Trinkgefäss ohne Standboden, dass in einem Zug ausgetrunken werden musste ehe man es ablegen konnte. Die Idee dahinter war, einer mutwilligen Vergiftung des Getränkes vorzubeugen.

Dazu dient beim Bierkrug vielleicht auch der Deckel… Die meisten Krüge gibt es sowohl mit Zinndeckel, als auch ohne. Zur Befestigung am Krug ist am Henkel immer eine Einkerbung zu finden. Dieses Formmerkmal ist auch vorhanden, wenn der Krug ohne Zinndeckel ist und wurde auch auf den Glaskrügen übernommen. Diese Einkerbung haben alle Steinkrüge.

Steinkrüge gibt es in allen möglichen Größen. Es gibt Steinkrüge als Maßkrüge, die manch einem Touristen als überdimensional erscheinen. Wir finden Steinkrüge aber auch als 0,5 Liter-Krüge in so manch bayrischem Biergarten. Auch ein Schnapserl nach einem guten Essen schmeckt sehr gut, wenn er schön gekühlt aus kleinen 0,2 ltr. Steinkrügen getrunken wird.

Namensgebend für den Steinkrug ist sein Material, das sog. Steinzeug. Es handelt sich dabei um keramisches Material, das beim sehr heissen Brand dicht brennt und verglast bzw. versintert. Im Unterschied dazu ist Steingut poröser, der Brand erfolgt bei geringeren Temperaturen, und wird dabei auch nicht wasserdicht weshalb Steingut in der Regel glasiert ist. Kaffetassen z.B. sind Steinzeug. – „Steinzeug ist gut, Steingut ist Zeug!“

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* Fayence ist die von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für kunsthandwerklich hergestellter Keramik, nämlich ungesintertes Irdengut mit einer weiß (selten farbig) deckenden Glasur überzogen ist. Fayencen sind meist blau oder mehrfarbig bemalt.

**alteingesessen

 

 

Auf dem Oktoberfest:

Der Bierkrug gehört zur Wiesn wie die Brezn zur Weisswurst. Und kaum ein Trinkgefäss wird so oft entwendet wie der Masskrug. Der Bierkrug vom Oktoberfest ist aber immer noch ein begehrtes Souvenir, das aber nicht einfach in den Zelten mitgenommen werden sollte, da hier dann eine Anzeige wegen Diebstahl droht - das ist also kein Kavaliersdelikt – und schließlich kann der Krug auch in vielen Buden und Ständen auf dem Oktoberfest käuflich erworben werden.

Auf der Vorderseite des Wiesn Bierkrugs ist in der Regel das Brauereizeichen der Brauerei, in dessen Festzelt Sie gerade sitzen, abgedruckt. Den Glaskrug nennt man auch Isarseidl, mit ihm prosten sich jährlich mehr als sechs Millionen Wiesn-Besucher zu. Dabei ist das Oktoberfestbier in seiner Stammwürze wesentlich gehaltvoller als das normale Bier und trägt mit seinem Alkoholgehalt von 6,3 Prozent deutlich zur guten Stimmung auf der Wiesn bei.

Die ersten Glaskrüge auf der Wiesn kamen 1892 zum Einsatz. Der traditionelle Steinkrug wurde dann bis 1893 vom Glaskrug vollständig abgelöst. Diese Umstellung löste bei den Traditionalisten nur wenig Begeisterung aus, schliesslich hält ein Steinkrug das Bier länger kühl. Heute haben sich die Glaskrüge aber durchgesetzt. Bei einem Glaskrug kann man auch besser erkennen, ob der Schankkellner richtig eingeschenkt hat. Da ein Glaskrug vom Gewicht auch leichter ist, als ein Steinkrug ist es für die Bedienungen in einem Festzelt etwas einfacher die vielen Krüge zu den Tischen zu bringen.

 

Der Masskrug:

Ein Maßkrug ist eine auf ein festes Volumen normierte Form des Bierkruges. Bis 1811 waren im damaligen Königreich Bayern für eine Maß unterschiedliche Mengen definiert (z. B. 1,17 l in Würzburg), die dann mit genau 1,069 Litern Inhalt (bayerische Maß) vereinheitlicht wurde. Mit der Gründung des Deutschen Reichs wurde auf das metrische Einheitensystem umgestellt und das Maß damit endgültig auf genau einen Liter festgelegt.

Ein mittlerweile sehr beliebter Wettkampfsport bei Stadlfesten (Scheunenfesten) ist bei den Burschen (jungen Männern) das Maßkrug-stemmen. Hier wird mit ausgestrecktem Arm ein gefüllter Maßkrug gehalten und die Zeit gestoppt. Derjenige, der den Maßkrug am längsten hält, ist Sieger.

 

Sammlerkrüge:

Der Wiesnkrug oder Oktoberfest Krug wird jedes Jahr schon vor dem Anstich vorgestellt. Der offizielle Jahreskrug wird jährlich neu gestaltet und zeigt das offizielle Plakat des Oktoberfestes, das jedes Jahr von einer ranghohen Jury der Stadt München ausgewählt wird.

Der Sammlerkrug ist im Gegensatz zum gläsernen Krug, in dem das Bier in den Festzelten ausgeschenkt wird, ein traditioneller Steinkrug.

Unterschieden wird zwischen dem offiziellen Wiesnkrug und weiteren Sammlerkrügen wie zum Beispiel dem Wirtekrug. Der gemeinsame Krug der 14 Festzeltwirte zeigt jedes Jahr eine historische Szene oder Motiv zum Oktoberfest. Diesen Wirtekrug gibt es in einer streng limitierten Auflage von 5.000 Stück. Die Motive der Wirtekrüge stammen jedes Jahr von verschiedenen bekannten bayrischen Künstlern. Sehr beliebt sind die Motive von Tita Gronemeyer, 2014 zierte ein richtiges Münchner Original, der "Steyrer Hans" 1849 - 1906) den Krug. Der gelernte Metzger und Münchner Gastwirt war seinerzeit für seine enorme Körperkraft bekannt. Sein Ruf als "Bayerischer Herkules" ging bis nach Amerika.
Der gebürtige Münchner betrieb auf dem Oktoberfest eine "Wirtsbude". Zu dieser wollte er in seinem ersten Jahr als Wiesnwirt festlich herausgeputzt mit der Familie, den Bedienungen und allem drumherum ziehen.
Damals gab es jedoch den traditionellen "Einzug der Wiesnwirte" noch nicht. Und so wurde sein kleiner, privater Festzug von der Münchner Polizei angehalten und der Steyrer Hans mit einer saftigen Strafe belegt. Jedoch versuchte der Wirt auch in den nächsten Jahren immer wieder sein Glück und gilt deswegen heute als inoffizieller "Erfinder" des mittlerweile so beliebten Wirteeinzugs am ersten Wiesn-Samstag.

Dieses Jahr ist ein weiteres Münchner Original, der Rosshändler und Rennmeister Rennmeister der Münchener Oktoberfestrennen Franz Xaver Krenkl (1780 – 1860), auf dem Krug zu sehen.

Jeder Sammlerkrug wird nach wie vor in teilweiser Handarbeit hergestellt. Der Ton stammt aus dem Kannenbäckerland im Westerwald und die Form ist seit mehr als 100 Jahren unverändert geblieben. Jeder einzelne Krug geht bis zu seiner Fertigstellung durch zahlreiche Hände, so wird jeder Henkel von Hand an den Korpus angesetzt. Es sind viele Arbeitsschritte notwendig, bis der Steinkrug Oktoberfest in den Regalen zum Verkauf stehen kann und jeder Steinkrug ist damit ein Unikat.

 

Und zuletzt eine kleine Anekdote: Der Krug als Schlagwerkzeug…

„Nach Aussagen des Physikers Erich Schuller vom Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München handelt es sich bei einem Maßkrug um ein „effektives Schlagwerkzeug“, bei dem jeder Schlag potentiell lebensgefährlich sei: Durch die Masse von 1,3 Kilogramm entstehe bei einem heftigen Schlag eine Kraft von 8500 Newton, ein menschlicher Kopf breche jedoch im Scheitelbereich schon bei 4000 Newton. Trotzdem gebe es immer wieder Fälle, in denen der Krug nachgebe. Vermutlich handele es sich dabei um Krüge, die durch Abnutzung eine verringerte Festigkeit aufweisen.“ (aus: Wikipedia)

 

 

 

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